Investitionen allein sind nicht genug: Die Forderung nach einer mittelstandsfreundlichen Politik
Die Bundesingenieurkammer fordert eine Politik, die den Mittelstand stärkt. Auf einem politischen Abend ergreift Bundesverkehrsminister Schnieder das Wort und betont die Notwendigkeit von Weichenstellungen für die Zukunft.
Die Bundesingenieurkammer hat recht: Investitionen allein sind nicht ausreichend, um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands zu sichern. Als für die Ingenieurkunst und die Infrastruktur Verantwortliche weiß ich nur zu gut, dass es nicht nur um das Geld geht, das in Projekte fließt, sondern auch um die politischen Rahmenbedingungen, die wir schaffen müssen. Es ist an der Zeit, dass wir auf eine mittelstandsfreundliche Politik dringen, die den Kern unserer Wirtschaft stärkt und nicht nur den großen Konzernen gewidmet ist.
Ein Grund für diese Forderung ist die Innovationskraft des Mittelstands. Kleine und mittlere Unternehmen sind oft die treibende Kraft hinter neuen Ideen und Technologien. Wenn wir unseren Ingenieuren und Unternehmern mehr Handlungsspielraum geben, schaffen wir nicht nur Arbeitsplätze, sondern fördern auch die Kreativität und Verantwortung, die dringend benötigt werden, um in einer zunehmend globalisierten Welt konkurrenzfähig zu bleiben. Es ist kein Geheimnis, dass gerade diese Unternehmen es sind, die oft nicht die nötige Unterstützung erhalten. Politische Entscheidungen, die sich ausschließlich auf große Investitionen konzentrieren, vernachlässigen das enorme Potenzial, das im Mittelstand schlummert.
Darüber hinaus sind es die bürokratischen Hürden, die den Mut zur Investition bremsen. Der Wunsch, zu investieren, wird häufig durch komplizierte Genehmigungsverfahren und mangelnde Transparenz erstickt. Besonders Ingenieure sind häufig frustriert über die langwierigen Prozesse, die innovativen Projekten im Weg stehen. Eine mittelstandsfreundliche Politik sollte daher auch darauf abzielen, Bürokratie abzubauen und klare, einfache Regeln zu schaffen. Es kann nicht sein, dass Ingenieure und Unternehmer mehr Zeit mit dem Ausfüllen von Formularen verbringen als mit der tatsächlichen Umsetzung ihrer Ideen.
Ein gewisses Unverständnis könnte man jedoch für die Skeptiker aufbringen, die darauf hinweisen, dass Investitionen in große Infrastrukturprojekte unverzichtbar sind. Dass wir beispielsweise die Digitalisierung unserer Verkehrsinfrastruktur vorantreiben müssen, steht außer Frage. Aber ich frage mich, ob diese großen Projekte nicht besser geplant und vorangebracht werden könnten, wenn sie auf einem stabilen Fundament mittelständischer Unternehmen basieren. Wenn wir diesen Sektor stärken, liefert er die notwendigen Ressourcen und das Fachwissen, um auch große Projekte effizient und effektiv umzusetzen.
Bei einem politischen Abend der Bundesingenieurkammer äußerte sich Bundesverkehrsminister Schnieder und betonte, dass wir als Gesellschaft vor der Herausforderung stehen, den Weg zu einer nachhaltigen Zukunft zu ebnen. Es ist ermutigend zu hören, dass auch die Regierung die Wichtigkeit der Ingenieure und deren Rolle in diesem Prozess erkennt. Allerdings muss aus solchen Reden auch Taten folgen. Ein Schwellenwert an Investitionen allein wird nicht ausreichen, wenn wir nicht gleichzeitig die Rahmenbedingungen schaffen, die den Mittelstand stärken. Wir müssen sicherstellen, dass jede politische Entscheidung alle Akteure berücksichtigt, insbesondere die Ingenieure, die die Brücken, Straßen und digitalen Infrastrukturen von morgen entwerfen.
Auf diesem Weg können wir nicht nur die Herausforderungen meistern, sondern auch die Chancen nutzen, die sich aus der Kombination von großen Projekten und einer starken mittelständischen Basis ergeben. Wenn wir dies nicht verstehen, laufen wir Gefahr, im Schatten unserer eigenen Ignoranz zu bleiben, während andere Länder uns in den Wettbewerbsrängen überholen. Es ist an der Zeit, dass wir unsere Prioritäten überdenken und den Mittelstand als eine tragende Säule unserer Wirtschaft betrachten, statt ihn zu übersehen. In dieser entscheidenden Phase müssen wir entscheiden, ob wir die Weichen für eine zukunftsfähige Politik stellen oder im Alten verhaftet bleiben wollen. Der Ball liegt jetzt im politischen Feld.